Hilfe für bedrohte Journalist*innen

Die Polarisierung in der Gesellschaft nimmt nicht zuletzt angesichts der Corona-Causa zu. Vor diesem Hintergrund kommen auch Journalist*innen zunehmend in Bedrängnis.

Udo Bachmair

Angriffe gegen Journalist*innen im Netz, vereinzelt auch Attacken auf der Straße, am Rande von Demos, zeigen ein bedrohliches Szenario für die gesamte Medienbranche. Hinzu kommen Versuche, Journalist*innen schwerwiegende juristische Folgen anzudrohen. Demokratiepolitisch besonders bedenklich, denn kritische Berichterstattung wird dadurch nicht gerade begünstigt.

Der engagierte Presseclub Concordia, Kooperationspartner unserer Vereinigung für Medienkultur, sagt dieser Entwicklung vehement den Kampf an. Er hat den „Rechtsdienst Journalismus“ ins Leben gerufen. Diese einzigartige Initiative will gezielt zur rechtlichen Unterstützung von Journalist*innen beitragen, nicht zuletzt zu einer „Stärkung der freien Berichterstattung“

Wie soll dies nun konkret erreicht werden ? Der erste Schritt, so der Presseclub, liege in der „Selbstermächtigung von Journalist*innen durch Schärfung ihrer rechtlichen Kompetenzen“. Unterstützt von regelmäßig stattfindenden Schulungen im Medien- und Urheberrecht, um „Angriffsflächen von vornherein auszuschließen und unzulässige Einschüchterungsversuche zu identifizieren“

Auf einer zweiten Stufe bietet der „Rechtsdienst Journalismus“ individuelle Rechtsauskunft, insbesondere bei Bedrohung durch Einschüchterungsklagen sowie eine Beratung über Möglichkeiten, sich gegen psychische und physische Angriffe juristisch zu wehren. In ausgewählten Fällen missbräuchlicher Klagen wird gegebenenfalls auch finanzielle Hilfe geleistet.

Projektleitung und Kontakt:

w.strobl@concordia.at

Olympiade und Englands Geschichte

Party-G`schichterln oder Geschichte Englands

Hans Högl: Buchrezension

Es dient dem Völkerverständnis, sich mit Landeskunde zu befassen, so auch mit England und nicht nur mit Party – G`schichterln. Dem kommt nach – und zwar hervorragend – das Taschenbuch „Die kürzeste Geschichte Englands“ von James Hawes, Berlin 2021. Der Autor erschließt uns sein Land, zeigt Hintergründe und weithin unbekannte Details. Ich las das Buch nicht nur quer, wie manche Rezensenten, und deute Inhalte an:

— dass wir von der genetischen Herkunft der Briten erfahren;
—dass am englischen Hofe 400 Jahre französisch gesprochen wurde;
— dass schon seit 1589 der süd-englische Akzent Privilegien erfuhr und Autoren das Nord-Englisch meiden. Spannung und Kluft von Süd-zu Nordengland bis Heute.

… dass Karl Marx in England die Extremversion des Marktliberalismus erfuhr, und er schuf – in Kenntnis eines weltumspannenden britischen Imperiums – die Fantasie einer weltumspannenden sozialistischen Revolution (S. 236);

– dass wegen der deutschen Kriegsflotte die Zeitung „Daily Mail“ schon im Jahr 1906 (!)- also 8 Jahre vor dem Ausbruch des 1.Weltkrieges – den Fortsetzungsroman „Die Invasion von 1910“ brachte – mitsamt Zeitungsverkäufern in preußischen Uniformen und falschen Landkarten und mit Argumenten für die allgemeine Wehrpflicht (S. 273);

Und erinnern wir uns: 1920 waren Deutschland, Österreich, Ungarn und die Türkei infolge des Ersten Weltkriegs zu den Olympischen Spielen nicht eingeladen. Der Hintergrund: die Schuld am 1. Weltkrieg…..

Corona-Gespräche: Wie die Angst nehmen?

Sein Gegenüber fragen – nach dem Woher der Info? Warum bist Du besorgt?

Aus einem Interview mit Blogexpertin Ingrid Brodnig.

Resumé: Hans Högl

Wie gelingt es, sich in einem Gespräch nicht zu verzetteln? Menschen diskutieren oft an 7 Baustellen gleichzeitig. Ein guter Tipp, sich zu überlegen, was sind m e i n e wichtigsten Botschaften, warum habe ich mich impfen lassen. Dies betonen und nicht nur über Falschmeldungen reden.

Wie erreicht man jemand, der einer Falschmeldung Glauben schenkt? Wir kontern oft mit Fakten und merken, dass dies beim Gegenüber abprallt. Ändere die Strategie: Frage – woher hast Du das? Warum glaubst Du dieser Quelle? Wie fühlst Du Dich, wenn Du das hörst?

Wichtig ist, Ängste des Gegenübers ernst zu nehmen und ausdrücken: Ich verstehe, dass Du besorgt bist. Gleichzeitig sollte man falschen Aussagen inhaltlich widersprechen.

(Quelle: Zeitschrift ypsilon 01/2022.)

Erschreckende Überwachung

Prägnante Aussagen zur Überwachung von Personen durch Algorithmen

Hans Högl

Wer es ausführlicher dazu wünscht, lese hunderte Seiten in den Büchern von dem außergewöhnlichen Autor Yuval Harari. Hier aber eine Kürzestversion, die alles auf einen Punkt bringt.

Indem wir Computer und Smartphones nutzen, liefern wir zahlreiche Informationen über uns ins Netz. Daraus entsteht ein detailliertes Profil über unsere Handlungen, Wünsche und Bewegungen. Algorithmen und künstliche Intelligenz filtern aus den Daten Zusammenhänge heraus, was immer genauere Rückschlüsse auf unser Verhalten ermöglicht. Diese Programme wissen oft mehr über uns, als uns selbst bewusst ist. Sie können voraussagen, wie wir handeln, und so unsere Entscheidungen, etwa beim Online-Einkauf und bei Wahlen, beeinflussen. Haben wir überhaupt noch eine Privatsphäre? Für «NZZ Format» hat unser Autor Reto Caduff Sicherheitsexperten, Datenspezialistinnen und Hacker gefragt, wie man sich schützen kann. Zum Video. (Quelle.Nzz online 29.1.2022)

„Paradies“ Schweiz hat Strafprozesse

Antwort auf Tassilo Wallentins völlig überzogenes LOB in der Sonntags-Krone auf eine paradiesische Schweiz ohne Korruption

Hans H ö g l

„Heute beginnt der Prozess gegen den Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz. Es ist der grösste Wirtschaftsstrafprozess des letzten Jahrzehnts: Es ist der Strafprozess gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz, seinen engsten Mitarbeiter Beat Stocker sowie weitere fünf Mitangeklagte. Den beiden Hauptbeschuldigten wird in erster Linie Betrug vorgeworfen. Zudem sollen sich beide über Spesen bereichert haben…Vincenz und Stocker drohen Haftstrafen von mehreren Jahren.

Neben Beat Stocker, der zwischen 2006 und 2011 CEO der Kreditkartenfirma Aduno war, stehen noch fünf weitere Personen wegen mutmasslicher Hilfestellungen vor Gericht.“ (Text etwas gekürzt vgl. Neue Zürcher online 25.1.2021).

Wie kann sich der Rechtsanwalt Dr. Wallentin dafür hergeben, zu schreiben: „Politische Korruption ist in der Schweiz unmöglich“ – wegen der direkten Demokratie?

Klimakrise und Öko-Angst Jugendlicher

Tödlicher Ernst junger Franzosen wegen Klimaberichten

Hans Högl

Ein Text, den ich vor ein paar Woche las, geht mir nicht aus dem Sinn. Es war eine Reportage in der französischen Zeitung „Libération“, wiedergegeben in „Revue de la Presse“ Janvier 2022 über die Klimaangst Jugendlicher. Ich kenne in Wien einzelne, die ähnlich empfinden.

Es betrifft junge Menschen in Frankreich, die aus den Berichten über die Klimakrise ihre radikalen Folgerungen ziehen. Ich fasse hier einige Aussagen zur Eco-Anxieté zusammen. Sie wird umschrieben als Verzweiflung angesichts der mit der Klimakrise einhergehenden fortschreitenden Zerstörung des Lebensraumes.

Der Abiturient Raoul sagt: „Ich fühle mich komplett machtlos (dèsarmé). Für mich bedeutet éco-anxieté Klarsicht. Man begreift, dass wir in der Scheiße sitzen (On se rend compte qu`on est vraiment dans le merde)“. „Das macht mich fertig, stürzt mich in Depressionen.“ ..“Da ich kein konkretes Handeln sehe, welche die Lage ändert, denke ich daran, mich zu verabschieden.“

Eine Studentin der Politikwissenschaft in Angers sagt: „Ich glaube der Politik nicht. Ich finde keinen Sinn mehr darin, was ich tu.
Warum soll ich studieren, wenn ich in 20 Jahren ohnedies sterbe?“ „Uns werden die Ressourcen fehlen. Es wird zu Spannungen zwischen den Ländern, ja zum Krieg führen.“

Ukraine-Konflikt: Eine Lösung in Sicht?

Das außenpolitisch dominante Thema in Politik und Medien ist nach wie vor der Konflikt zwischen Moskau und Washington rund um die Ukraine. Bemerkenswert ein Gespräch, das der Deutschlandfunk mit dem Politikwissenschafter Heinz Gärtner zu dieser komplexen Causa geführt hat.

Udo Bachmair

Der Politikwissenschafter Heinz Gärtner vom International Institute for Peace mit Sitz in Wien gilt als d e r Experte für globale Sicherheitsfragen. Ein Wissenschafter, der sich konsequent bemüht, diese komplexe Thematik differenziert zu betrachten. Mehrere Gründe, die den Deutschlandfunk bewogen haben, ein längeres Gespräch mit dem renommierten Politologen zu führen.

Kernproblem des aktuellen Konflikts ist der Plan der USA und der NATO, nach dem Vorbild der baltischen Staaten auch die Ukraine Mitglied im westlichen Militärbündnis werden zu lassen. Eine Provokation aus der Sicht Russlands, das sich durch eine weitere Ausweitung der NATO bis unmittelbar an seine Westgrenze bedroht sieht.

Sollte ein NATO-Beitritt der Ukraine tatsächlich Realität werden, so müsste der Westen dafür einen hohen Preis bezahlen. Russische Milizen würden dann, wie Heinz Gärtner in dem Gespräch mit dem Deutschlandfunk bekräftigt, in der Ostukraine, im Donbass, bleiben. In weiterer Folge könnten in dieses Gebiet letztlich auch offizielle russische Soldaten einrücken.

Die Lösung des Problems wäre Gärtner zufolge eine Neutralität der Ukraine kombiniert mit Sicherheitsgarantien. Würde sich die Ukraine völkerrechtlich für neutral erklären, wären die Präsenz ausländischer Milizen oder gar eine Besetzung eines Teils des Landes weitgehend ausgeschlossen. Bei Zuwiderhandeln wären völkerrechtlich begründbare harte Konsequenzen unausweichlich.

Das gesamte Interview mit Heinz Gärtner im Deutschlandfunk ist abrufbar unter :

https://www.deutschlandfunk.de/gibt-es-eine-loesung-im-ukraine-konflikt-heinz-gaertner-politikwissenschaftler-dlf-2aecf48a-100.html

Unverständliche Wissenschaftssprache

Was ist die dialektisch-enigmatische Theorie und neodekonstruktiver Rationalismus?

Hans Högl (zur „pluralistischen Unwissenheit“ auf Basis eines aus R.Bregmans „Im Grunde gut“ entnommenen Textes)

Ein Exempel an Unverständlichkeit in einem Hörsaal an der Duke-Universität: Der Psychologe Dan Ariely gab eine Einführungsvorlesung und machte ein Experiment mit seinen Studierenden. Er verwendete komplizierte Begriffe wie dialektisch-enigmatische Theorie und neodekonstruktiver Rationalismus. Minutenlang lauschten die Studierenden an einer der besten Universitäten diesen Unfug, niemand lachte, niemand stellte eine Frage. In Wirklichkeit hatte der Psychologe mit einem Knopfdruck auf einem Generator eine Reihe zufälliger Wörter und Sätze aneinandergefügt. Aber niemand im Hörsaal gab zu, etwas nicht verstanden zu haben.

Dies wird von Rutger Bregman als pluralistische Unwissenheit bezeichnet. Jede/r Studierende fand das unverständlich, aber jede/r sah auch seine Kommilitonen aufmerksam zuhören. Also glaubten alle, dass es nur an ihnen liegen könne und niemand stellte eine Frage (R.Bregman -2020- „Im Grunde gut“, S. 288 f.).

NB. Als ich das Buch eines prominenten deutschen Professors las, stellte ich mir die Frage, ob dieser nicht auch mit seinem Publikum sein Spielchen mit unnötiger Kompliziertheit treibt und hunderte Seiten schreibt, ohne viel zu sagen. Und manchmal trifft Ähnliches auch auf Massenmedien zu, wenn uns unnötige Fremdworte um den Kopf geworfen werden.

Verzerrte Weltsicht durch Negativ-News

Das Gute in Menschen dominiere, so argumentiert ein niederländischer Journalist und Historiker. Er sieht kritisch die Nachrichtenselektion- auch in Facebook, Google, Twitter.

Hans Högl: Zitate aus dem Buch „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman

„Es gibt unzählige informative Formen des Journalismus, die einem helfen, die Welt besser zu verstehen.“

Doch der Autor sieht die nebensächlichen und sensationellen Kurznachrichten kritisch. „Acht von zehn Erwachsenen in der westlichen Welt konsumieren täglich Nachrichten. Im Schnitt verwenden wir eine Stunde pro Tag darauf. Das entspricht insgesamt drei Jahren in einem Menschenleben“.

Die Menschen sind anfällig für die Trostlosigkeit der Nachrichten -für „negativity bias“. Wir werden mit Geschichten von Flugzeugkatastrophen, Kinderschändern, etc. bombardiert, die man nicht so schnell aus dem Kopf bekommt, und das führt zu einer verzerrten Weltsicht (S. 32).

Und in Plattformen werden die extremen Seiten der Nachrichten noch weiter angeheizt.—Die Leute hinter Facebook, Twitter und Google wissen, worauf man klickt, was man am schockierendsten und gemeinsten findet. Sie wissen, wie man ihre Aufmerksamkeit fesselt, um ihnen dann die lukrativsten Anzeigen aufzutischen.